Konfliktmanagement am Bau - KI versus ADR?

Holger Saubert, Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht und Mediator, Schwerin, Mitglied im Geschäftsführenden Ausschuss


Die Dauer der Gerichtsverfahren hat sich nicht verringert – im Gegenteil. Die Bauherren, Firmen und Architekten wollen ihre „Fälle“ gern mit KI lösen.

Die Beratungsanwälte werden oft sehr spät einbezogen und einige Rechtsschutzversicherungen stehen der Mediation zunehmend – gemeint sind nicht die bislang als solche bezeichneten „Kurzmediationen“ – offen gegenüber.

Was bedeutet das für die Tätigkeit des/der Mediator/innen?

Die KI wird sehr viel – auch in der anwaltlichen Tätigkeit – verändern. Nach meiner Überzeugung wird die Mediation – ich spreche im Baubereich von Konfliktmanagement, bei der die Mediation ein wichtiger Baustein ist – eine wachsende Rolle spielen.

Diese Einschätzung ist auch der gegenwärtigen Marktsituation geschuldet. Aufgrund der Preisunsicherheiten und der oft nicht mehr kalkulierbaren oder tatsächlich entstehenden Material- und Energiekosten, Lieferverzögerungen u.a. sind Bauzeitverzögerungen und Kostensteigerungen oft nicht vermeidbar. Das führt zu Streitigkeiten zwischen den Baupartnern.

Mit diesen und den allseits bekannten weiteren Argumenten sollten sich die Mediator/innen an die Beratungsanwälte, Versicherungen und Bauherren wenden, um die Lösung von Konflikten insbesondere im Baubereich und trotz oder besser mit der KI verstärkt auch auf die Mediation zu fokussieren.

Woher nehme ich die Überzeugung?

Baustreitigkeiten sind sehr komplex, vielschichtig und betreffen oft mehrere am Bau beteiligte Partner. Darüber hinaus sind auch Haftpflichtversicherungen einzubeziehen.

Oft zieht ein Streitpunkt mit einem Gewerk (Beispiel Mängel) auch Auseinandersetzungen etwa mit dem Vor- oder Nachgewerken; in der Regel auch den Planern usw. nach sich.

Es gibt ein Geflecht aus Verträgen, technischen Ursachen und wirtschaftlichen Abhängigkeiten.

Oft verändert sich der Streitgegenstand auch während des Konflikts: Die Baustelle läuft weiter, Bauteile werden überbaut oder Mängel nachgebessert, Kosten steigen usw.
Es ist deshalb ein Konfliktmanagement notwendig, das die Besonderheiten am Bau berücksichtigt.
Hierbei spielen die Mediation aber eine Beweissicherung (Schiedsgutachten) eine große Rolle.

Bei laufenden Bauvorhaben wird ein Mediator hier auch als Konfliktmanager tätig, damit die Parteien Regelungen zur Fortsetzung der Arbeiten zur Schadensbegrenzung usw. finden.
Gleiches gilt auch für die vorgerichtliche Auseinandersetzung nach Abschluss der Baumaßnahmen.
Unabhängig vom Zeitpunkt des Verfahrens ist bei diesen Konflikten eine sorgfältige Sachaufklärung und Beteiligtenanalyse (Wer macht gegen wen welche Ansprüche geltend? Wer verfügt über welche Informationen? Welche Versicherungen sind einzubeziehen? usw.) durchzuführen.
Es ist deshalb eine sorgfältige Verfahrensgestaltung notwendig und geboten.
Hierbei kann die Künstliche Intelligenz zum Beispiel zur Aufbereitung umfangreicher Unterlagen hinzugezogen werden.
KI kann aus freigegebenen Bautagebüchern, Protokollen und Schriftwechseln Entwürfe für Chronologien erstellen, Fundstellen sammeln oder widersprüchliche Angaben markieren. Ebenso kann sie Fragen für eine technische Klärung und ggf. auch Varianten für eine spätere Vereinbarung formulieren.
KI ist deshalb unabhängig des Zeitpunktes des Konfliktes ein wertvolles Tool für die Durchführung des Streitlösungsverfahrens, wird dies jedoch nicht ersetzen.

Wenn Sie hierzu Anregungen oder Fragen haben, wenden Sie sich bitte an den Geschäftsführenden Ausschuss. Eine Möglichkeit hierfür ist auch die diesjährige Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Mediation vom 20.11.2026 in Koblenz.


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